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Bonnies neue Schwester, Else

Wie das so ist im Leben, hat letzte Woche ein weiteres Motorrad seinen Weg in meinen Besitz gefunden. Lasst mich erklaeren, wie es dazu kam:

Ein Freund von mir, hat bereits seit einigen Monaten das Problem, dass sein Motorrad (mit dem schoenen Namen Else) nicht mehr fahrbereit ist und leider auch keinen TUeV mehr hat. Der Motor der guten laeuft zwar noch, allerdings erzeugt er ein lautes, drehzahlabhaengiges, metallisches KLACKLACKLACKLACKLACK… Die oertliche Motorradwerkstatt, die einen Blick auf Else werfen durfte, hat einen Zylinderkopf/Nockenwellenschaden diagnostiziert und (mit Arbeitszeit und anderen Kleinigkeiten) einen vierstelligen Preis mit einer „2“ vorne dran als Reperaturkosten veranschlagt. Nun war das dem Besitzer natuerlich zu viel, was verstaendlich ist fuer ein 12 Jahre altes Motorrad mit 75000 Kilometern. Um die Kohle bekommt man ein gutes gebrauchtes mit neuem TUeV und weniger Kilometern.

Nun, ich habe den Besitzer oefters mal gefragt, ob er sie schon hat fixen lassen und ihm angeboten, die Else in unsere Butze zu bringen und sie mal anzuschauen. Die Chancen stehen ja nicht schlecht, dass das fuer weniger Geld zu fixen ist. Ich mein, gebrauchte Austauschmotoren gibts fuer 400-500 Euro. Irgendwie kam es aber nie dazu und so stand Else jetzt schon fast ein halbes Jahr ungenutzt herum. Letzten Samstag sassen wir wieder in Karlsruhe im Cafe und haben den kurzen Roecken Maedels Menschen hinterhergeschaut beim Flanieren zugeschaut, als das Thema wieder auf Motorraeder kam. Ich hab natuerlich wieder von Else angefangen, eigentlich in der Intention dass er sie mal repariert und mal wieder mit auf Tour kommt, aber irgendwie ging das alles in die komplett andere Richtung. Denn aufgrund der veranschlagten >2000.- Reperaturkosten, stand wohl die Entscheidung im Raum, Else schlicht und einfach dem Schrottplatz zuzufuehren. Und auf meinen Kommentar, dass ich Else dafuer viel zu schade faende, kam dann die Antwort „Wenn du magst, kannst se haben, ich schenk se dir“. Ui.

Else & Bonnie

Else & Bonnie

Ich mein, ich hab natuerlich nicht versucht, ihm die Else abzuquatschen. Und ich hatte auch ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, dass ich das Mopped fuer weniger Geld als die veranschlagten 2k reparieren koennte und damit aus dem Pech eines Freundes kapital schlagen koennte, aber… wegschmeissen ist halt auch doof. Also habe ich das Mopped letzte Woche abgeholt und geguggt, was zu machen ist.

Ueberraschung 1: Der Motor springt problemlos an. Bloed nur, dass er in der Gegend von Ventiltrieb von Zylinder 3 ganz ganz ganz fies drehzahlabhaengig klappert. Es klingt so, als ob man mit einem Hammer auf einen Amboss schlaegt, nur viel schaerfer und bei Leerlaufdrehzahl halt knapp 500 mal in der Minute. Und das ganze wirklich fies laut. Also in einer Lautstaerke, dass sich an der Kreuzung die Fussgaenger auf der entgegenliegenden Strassenseite umschauen, was denn das fuer ein Geraeusch ist. Also Motor wieder aus…

Ueberraschung 2: Die Else ist grundsolide! Kein bisschen Tankrost, Lenkkopflager tipptopp, Motor/Getriebe dicht und trocken, Daempfer und Federn ok (wobei die Werkstatt meinte, dass die hinteren Federbeine fertig sind, aber die muessen Federbeine eines anderen Motorrads gemeint haben, denn die von Else sind durchaus noch ok). Sitzbank nicht durchgesessen oder gerissen, Auspuff dicht… Ok, der Auspuffhalter ist etwas verbogen, der Lack ist etwas stumpf und die rechte Seite (Motorgehaeuse, Auspuff, Bremshebel, etc) sind etwas verschrammt, da hat sich mal einer mit hingelegt. Aber nix grosses. Das laesst sich mit etwas Zeit und Pflege alles wieder richten. Ob sich das aber lohnt, sehe ich erst, wenn ich in den Motor geguggt habe. Wobei, zur Not kommt ein Austauschmotor rein…

Ueberraschung 3: Ventildeckel aufgemacht und in den Ventiltrieb geguggt: Alles optisch in Ordnung! Die Nockenwellen sind sauber, nicht (oder kaum) eingelaufen, kein Pitting, keine Krater, keine Spaene, nix wackelt, nix verbogen. Dafuer, wie fies der Ventiltrieb klingt, fast schon besorgniserregend unspektakulaer. Weil wenn ich hier nichts finde, ist’s wohl doch im Zylinder. Allerdings stelle ich beim wackeln an den Schlepphebeln und dem folgenden Ventilspielpruefen fest, dass Ventil 3 schon arg viel Spiel hat: So grosse Messlehren gibts gar nicht, aber das waren grob 2 Millimeter spiel. Zum Vergleich: Sollspiel sind 0.2 Millimeter. Wir haben hier also das zehnfache des vorgegebenen Ventilspiels. Das ist kein Ventilspiel mehr, das ist Ventilschlagen! Kein Wunder, dass das wie ein Amboss klingt, wenn die Nockenwelle wie bloede 2 Millimeter weg hat, um den Schlepphebel auf das Ventil zu kloppen. Nachdem ich die Fehlersuche noch etwas ausgeweitet habe, um rauszufinden woher dieses moerdermaessige Ventilspiel kommen mag, scheint es so als waere die Kontermutter der Ventileinstellschrauben nicht wirklich fest gewesen und haette sich im Laufe der Zeit losvibriert.

Ueberraschung 4: Nachdem ich das Ventilspiel richtig eingestellt habe, wurde der Motor wieder zusammengebaut. Ich dachte zwar nicht, dass es wirklich nur daran lag, aber versuch macht kluch und schaden kann’s ja nichts. Also den Motor wieder angelassen und… Krass, das Problem ist weg. Der Motor schnurrt wieder wie ein Kaetzchen. Ok, eigentlich muessten noch die betreffenden Ventile und Schlepphebel gewechselt werden, weil es nicht ganz ohne Spuren abgeht, wenn Ventil und Schlepphebel Hammer und Amboss spielen: Vermutlich sind die Ventilschaftdichtungen und die Ventilschaefte selbst ausgeschlagen, was die schlechtere Kompression auf Zylinder 3 erklaert. Aber das ist etwas, womit man auch leben kann, wenn man es nicht repariert. Das ist nicht akut und wird dann eher ein Winterprojekt im Rahmen einer Motorueberholung (hat ja doch schon 75000km, die Else).

Else repariert

Else, frisch repariert

Unterm Strich habe ich jetzt eine solide laufende Suzuki GSX 750 in der Garage stehen, die zwar etwas Pflege und Wartung braucht (Oele, Fluessigkeiten, Filter, Zuendkerzen, Belaege), aber die von der Grundsubstanz her im Prinzip voellig in Ordnung ist und durchaus noch viele Jahre vor sich hat, wenn man sie nach und nach etwas renoviert.

(Crosspost auf BlackMike.net)


Schrauberbutze

Nach einer eigentlich recht unmotivierten und kurzen Suche mit einem befreundeten Moppedtreiber, bin ich seit gestern stolzer Mitmieter einer kleinen aber feinen Motorradwerkstatt in der Karlsruher Suedstadt. Vielleicht 5 Minuten Fussweg entfernt vom Hauptbahnhof, noch etwas kuerzer zur naechsten Strassenbahnhaltestelle (was sehr praktisch ist, verbindet man das Schrauben mit dem Biertrinken und kommt dadurch nicht zur Fertigstellung des Schraubvorganges oder trinkt sich Fahruntauglich, was ja durchaus vorkommen kann beim Schrauben), in einem Hinterhof, direkt neben ein paar anderen Autoschraubern und einem Vespa Club. Sehr gediegen. Die Werkstatt ist gross genug fuer 4 Moppeds, hat eine vernuenftige Werkbank bereits dabei, hat ein recht grosses Lager und ein extra Buero, in dem man ein Sofa, ne Kaffeemaschine und nen Kasten Bier stellen kann, fuer den einen oder anderen Absacker danach. Die Miete ist zu dritt auch aeusserst bezahlbar und die Nachbarschrauber und der Vermieter scheinen auch sehr umgaenglich zu sein.

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