Monatsarchiv: Juli 2009

Alles neu macht der Juli – Part II

Inzwischen sind 3 Tage vergangen, seit ich mir das Mopped angesehen habe. Am Samstag habe ich sie abgeholt, für 800 Euro hat sie den Besitzer gewechselt. Jetzt steht sie bei mir im Hof und seit heute ist sie sogar zugelassen. Und da sie zwischen den Moppeds meiner Motorradfahrenden Freunde, „Else“ und „Leonie“ (die ihren Namen dem großartigen Titel des Erwachsenenschmuddelstreifen „Leonie die Kolbenfresserin“ verdankt), nicht Namenlos ihr Dasein fristen soll, haben wir uns Samstagabend direkt in den Biergeschwängerten Namensfindungsprozess begeben und sind schlussendlich bei einem klasse 80er Jahre Namen (passend zum Mopped) hängengeblieben: Bonnie! In Erinnerung an Bonnie Barstow, der (wie ich damals fand) überaus heißen Mechanikerin von „Knight Riders“ Auto, KITT!

So, genug der langen Reden! Hier ist sie nun:

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Alles neu macht der Juli

Daher habe ich die letzten zwei Wochen mit „Motorräder anschauen“ verbracht. Es ist schon fies eigentlich, wie süchtig Motorradfahren macht. Mein Plan, erst mal meinen Moppedschein in Deutschland anerkennen zu lassen und dann erst im Herbst oder Winter ein Motorrad zu kaufen, hat leider einen kleinen Nachteil: Da ich für die Führerscheinprüfung nur die Pflichtstunden auf dem Motorrad fahren muss, habe ich mit meinem Fahrlehrer bereits zwei kleinere Überlandtouren und Ausfahrten gemacht und warte jetzt nur noch auf die Prüfung, damit ich auch offiziell wieder fahren darf. Dumm nur: Irgendwie war das wie anfixen. Und die Tatsache, nach der Prüfung erst mal wieder ein paar Monate ohne Motorrad zu sein, geht mal so gar nicht.

Also habe ich, wie schon geschrieben, die letzten zwei Wochen mit „Motorräder anschauen“ verbracht. Unverkleidet oder etwas Tourensportliches hätte ich gern. Achja, und billig günstig darf sie sein. Bisher standen zur Ansicht: Eine GS500 (geht gar nicht), eine ER-5 (ganz nett), eine 8Xer XJ600 (bisschen konservativ aber ganz schick, leider schon anderweitig versprochen gewesen), eine CB450 (mit mir drauf, sieht man das Motorrad kaum noch) und eine GPX600R. Letztere ist total knorke! Ein richtig schicker 80er Jahre Sportler, eigentlich mehr ein Tourensportler. Eckig, kantig, sympathisch. 20 Jahre alt, Erstbesitz, 50Mm, Umfall/Unfallfrei, noch ein Jahr TÜV, insgesamt steht sie gut da, leckt nicht, klappert nicht und ist für ein Kilo Euronen zu haben. Ich denke gerade drüber nach… Mal schauen ob ich mich bis heute Abend entschieden habe.


Erste Gehversuche im europäischen Stadtverkehr

Nachdem mir, wie schon einmal erwähnt, mein außereuropäischer Motorradführerschein nicht anerkannt wird und ich daher momentan der lokalen Fahrschulindustrie finanziell etwas unter die Arme greife, hatte ich heute das Vergnügen meiner ersten praktischen Fahrstunde. Ich bin in Übersee bereits Motorrad gefahren und hatte natürlich auch in Deutschland das jugendliche Vergnügen, mit der 80er die 90er unsicher zu machen, daher ist es zwar nicht so, dass ich gar keine Ahnung vom kontrollierten Bewegen eines motorisierten Zweirades habe. Aber andererseits hatte mein Alteisen in Übersee auch nur läppische 28 PS; Die 78 PS der Fahrschulmaschine sind da zumindest in der Theorie ein ganz klein wenig respekteinflößend.

Gestern unterhalte ich mich mit meinem Fahrlehrer über die anstehende Fahrstunde.

    Fahrlehrer: Du bisch‘ schon amol gefahre?
    Ich: Joa, vor langer Zeit mal 80er und 125er und die letzten 2 Jahre in Übersee ne 400er…
    Fahrlehrer: Hajo, dann weisch‘ ja wie’s geht. Da macht’s kein Sinn dich erschd uff der 34PS Maschin‘ zu schleiffe, da nemmer gleich die Grosse!
    Ich: Och, joa, von mir aus ja gern so eigentlich…
    Fahrlehrer: Weisch‘, wenn ich do en Anfänger obbe‘ druff setz‘, der fährt mir des Ding doch grad in die nächste Wand. Abber du bisch‘ ja scho g’fahre, des basst scho‘.
    Ich: Öhm. Hoff ich mal.

Wie gesagt, ich bin durchaus schon einige tausend Kilometer auf Motorrädern durch die Gegend gerobbt. Allerdings kam ich noch nie über eine altersschwache 30 Jahre alte Maschine mit keuchenden 28 PS hinaus (abgesehen von Leihweise einer CB750, aber die war irgendwie auch recht… schlapp!). Und Erfahrungsberichte von – zugegebenermaßen unerfahrenen Fahrschülern – waren da auch nicht so wirklich hilfreich, wenn man liest, das sich der Leistungsunterschied zwischen 34PS und 80PS ähnlich verhält wie eine Fahrt auf dem Kinderfahrrad und dem Ritt auf einer Kanonenkugel. Ich war ja mal gespannt, wie das so wird.

Wir treffen uns also heute Morgen zu nachtschlafender Zeit um 8 Uhr. Garage auf, Mopped raus. Kurz einen Überblick über die Maschine bekommen, „do isch‘ vonn‘, do isch hinne‘, kennsch dich ja aus!“ und dann ging’s auch schon los. Ich sitz auf dem Bock, überlege noch wie viel Gas in Verbindung mit wie viel Kupplung bei einer fast 80 PS Maschine wohl notwendig ist, als ich auch schon…

…mit einem freundlichen „BrööööööÖÖÖÖH!“ gemütlich an Geschwindigkeit aufnehme und mich ins Verkehrsgetümmel stürze. Das war ja einfach.

Die Fahrstunde selbst war, erwartungsgemäß, unspektakulär. Nachdem ich eine Viertelstunde hinter dem Fahrschulauto herfahren durfte, ging es nochmal für eine halbe Stunde auf den Übungsplatz und anschließend noch eine Dreiviertelstunde in den Stadtverkehr, wo mich beinahe noch eine abbiegende und mich völlig ignorierende Civicfahrerin vom Mopped gepflügt hätte, was ich aber durch einen souveränen Ausweichhaken (HA!) vermeiden konnte und somit außer einem durch einen etwas panischen Funkspruch im Wortlaut von „PASSUFFPASSUFFDIEALTEPASSUFF!!!“ ausgelösten Ohrensausen weiterer Schaden vermieden wurde.

Zusammengefasst kann ich sagen: Ein paar Fahrstunden schaden doch nicht. Vor allem, wenn man die letzten zwei Jahre damit verbracht hat, hauptsächlich auf Landstraßen geradeaus zu fahren. Europäischer Stadtverkehr ist doch ein klein bisschen anders, wenn man ihn nicht mehr gewöhnt ist. Scheinbar war mein Fahrlehrer aber zufrieden, denn die nächsten Fahrstunden werden bereits die Pflichtübungsfahrten, weil „fahre kannsch‘ eh scho‘ und des was der Prüfer sehn will, s‘ Köpfle schütteln, kannsch‘ au‘ bei den Sonderfahrten lernen“. Auf dem Übungsplatz will ich noch das eine oder andere mal, denn selbst wenn der lange Slalom, das Ausweichbremsen und das Kurvendrehen schon so halbwegs passt, eier ich doch beim Schritt fahren noch rum wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Aber scheinbar haben das schon ganz andere geschafft.

Falls ein Fahrschüler diesen Bericht lesen sollte: Mach dir nicht ins Hemd! 80 PS sind auch net anders als 15 oder 30 PS. Ok, das Mopped kommt ein bisschen schneller in die Hufe und tritt einem etwas kräftiger in den Hintern, aber trotzdem hat es nur zwei Räder und wenn man rechts dreht, wird’s schneller. Wenn man natürlich wie blöd am Gashahn zieht, macht man nen Salto rückwärts – Wer aber etwas gesunden Menschenverstand und genug Talent zum unfallfreien geradeauslaufen mitbringt, sollte keinerlei Probleme haben.